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Vierte Sitzung am 20. Juli 1945

(Truman eröffnet die Sitzung.)

Die sowjetische Delegation berichtet, dass auf der heutigen Sitzung der drei Außenminister folgende Fragen standen:

1. Wirtschaftliche Grundsätze bezüglich Deutschlands.

Es wurde festgestellt, dass die mit der Vorbereitung dieser Frage beauftragte Kommission ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen hat, und deshalb wurde diese Frage nicht gesondert erörtert. Es wurde beschlossen, die Kommission zu bitten, dass sie ihre Arbeit bis zum 21. Juli abschließt.

2. Polnische Frage.

Es wurde berichtet, dass die Kommission, die sich mit dieser Frage befasst, ihre Arbeit bis jetzt noch nicht abgeschlossen hat, und infolgedessen wurde diese Frage nicht gesondert erörtert. Es wurde beschlossen, die Kommission zu bitten, dass sie ihre Arbeit bis zum 21. Juli abschließt.

3. Über die Friedensregelung.

Da die Kommission, die mit der Vorbereitung des Textentwurfs zur Frage der Friedensregelung beauftragt war, diese Aufgabe nicht erfüllen konnte, weil Mitglieder dieser Kommission in anderen Kommissionen beschäftigt waren, wurde beschlossen, dass die Außenminister heute um 15.45 Uhr zusätzlich zusammenkommen, um diese Frage zum Vortrag auf der Sitzung der drei Regierungschefs vorzubereiten. Die Außenminister beschlossen dann auf ihrer Beratung eine Abänderung zu Punkt 3 des Entwurfs zu dieser Frage, so dass dieser Punkt nunmehr folgendermaßen lautet:

„3. Als eine vordringliche und wichtige Aufgabe des Rates wird ihm aufgetragen, Friedensverträge für Italien, Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Finnland aufzusetzen, um sie den Vereinten Nationen vorzulegen und Vorschläge zur Regelung der ungelösten territorialen Fragen, die in Verbindung mit der Beendigung des Krieges in Europa entstehen, auszuarbeiten. Der Rat wird zur Vorbereitung einer friedlichen Regelung für Deutschland benutzt werden, damit das entsprechende Dokument durch die für diesen Zweck geeignete Regierung Deutschlands angenommen werden kann, nachdem eine solche Regierung gebildet sein wird.

Zwecks Lösung jeder dieser Aufgaben wird der Rat aus Mitgliedern bestehen, welche diejenigen Regierungen vertreten, die die Bedingungen in der Kapitulation unterschrieben haben, diktiert an den Feindstaat, den die gegebene Aufgabe betrifft. Bei der Betrachtung der Fragen der Friedensregelung mit Italien wird Frankreich als Unterschriftsleistender der Kapitulationsbedingungen Italiens betrachtet werden.

Andere Mitglieder werden zur Teilnahme am Rat eingeladen werden, wenn Fragen erörtert werden, die sie direkt betreffen.“

4. Zur Erklärung von Jalta über das befreite Europa.

Der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR überreichte den Außenministern Großbritanniens und der USA den sowjetischen Entwurf der Vorschläge zu dieser Frage. Im Zusammenhang mit dem vorgelegten Entwurf wurden Fragen der Lage in Rumänien und Bulgarien einerseits und in Griechenland andererseits erörtert. Im Ergebnis der Erörterung wurde klar, dass die Außenminister die Lage in diesen Ländern unterschiedlich einschätzen.

So erklärten die Außenminister der USA und Großbritanniens unter anderem, dass in Rumänien und Bulgarien der Presse Beschränkungen auferlegt würden. Der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten wies darauf hin, dass unter Kriegsbedingungen natürlich gewisse unerlässliche Beschränkungen für die Presse bestanden. Gegenwärtig können angesichts der Beendigung des Krieges die Arbeitsmöglichkeiten für die Pressevertreter in diesen Ländern beträchtlich erweitert werden.

Der Außenminister der USA schlug vor, ein Abkommen der drei Mächte darüber abzuschließen, wie die Beobachtung des Wahlverlaufs in Italien, Griechenland, Rumänien, Bulgarien und Ungarn durch die drei Mächte durchzuführen ist, ein Abkommen über die Gewährleistung des freien Zugangs für Pressevertreter der USA, der UdSSR und Großbritanniens zu diesen Ländern und über die Gewährung der Möglichkeiten für sie, sich frei zu bewegen und frei ihre Informationen zu übermitteln. Der englische Minister schloss sich diesem Vorschlag an. Der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR erklärte, er sehe keine Notwendigkeit für die Entsendung von Sonderbeobachtern nach Rumänien und Bulgarien. Was Griechenland betrifft, so ist der Standpunkt der sowjetischen Regierung in den vorgelegten Dokumenten entsprechend erläutert.

Sollten die Außenminister Großbritanniens und der USA schriftliche Vorschläge zu dieser Frage unterbreiten, so können diese auf der Sitzung der drei Minister erörtert werden.

5. Über Italien.

Der Außenminister der USA legte den Entwurf eines Beschlusses der drei Regierungschefs vor, worin diese den Eintritt Italiens in die Organisation der Vereinten Nationen unterstützen, den Eintritt Spaniens in die Organisation der Vereinten Nationen jedoch so lange nicht unterstützen, solange Spanien von dem bis jetzt im Lande herrschenden Regime kontrolliert wird. Der Außenminister Großbritanniens erklärte, dass er diesen Vorschlag unterstützt und dass er es, sollte eine Erklärung zu dieser Frage ausgearbeitet werden, für zweckmäßig hält, darin zu erwähnen, dass die drei Mächte auch die Aufnahme bestimmter neutraler Länder, beispielsweise Schwedens, der Schweiz und Portugals, in die Vereinten Nationen für zweckmäßig hielten.

Der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR stellte die Frage, ob dieser Vorschlag auch auf andere Länder ausgedehnt werden kann, die sich aus feindlichen Ländern in gegen Deutschland mitkämpfende Länder verwandelt haben. Der Außenminister Großbritanniens erklärte, dass man diese Frage erörtern kann, er persönlich aber der Meinung ist, solche Länder könnten nach Unterzeichnung des Friedensvertrages mit ihnen in die Vereinten Nationen zugelassen werden. Zur Ausarbeitung dieser Frage wurde dann schließlich ein Ausschuss gebildet.

Im Zusammenhang damit wurde die Kommission, die sich mit Reparationsfragen befasst, beauftragt, die Frage der Reparationen von Italien und Österreich zu untersuchen.

6. Über die Westgrenze Polens.

Den Außenministern der USA und Großbritanniens wurden die Vorschläge der sowjetischen Regierung über die Festlegung der Westgrenze Polens samt einer entsprechenden Karte überreicht. Es wurde beschlossen, diese Frage auf der Sitzung der drei Regierungschefs am 20. Juli auf die Tagesordnung zu setzen.

7. Über Treuhandgebiete.

Den Außenministern der USA und Großbritanniens wurden die Vorschläge der sowjetischen Regierung über Maßnahmen zur Errichtung einer territorialen Treuhandschaft überreicht. Es wurde beschlossen, diese Frage auf der Sitzung der drei Regierungschefs am 20. Juli auf die Tagesordnung zu setzen.

8. Über die Tagesordnung der Sitzung der drei Regierungschefs am 20. Juli.

Die Minister kamen überein, den Chefs der drei Regierungen folgende Tagesordnung zu empfehlen:

1. Über die Friedensregelung.

2. Memorandum des Präsidenten der USA vom 17. Juli über die Politik gegenüber Italien.

3. Die Lage in Österreich und insbesondere in Wien [Mitteilung des Premierministers Großbritanniens].

4. Über die Westgrenze Polens.

5. Über die Treuhandgebiete.)

Churchill:
Gestatten Sie, Herr Präsident, eine kleine Frage, die das Verfahren unserer Arbeit betrifft und die ich zum Nutzen der Sache aufwerfe. Unsere Minister kommen täglich zusammen und bereiten ein umfangreiches Programm für unsere Abendsitzungen vor. Heute beispielsweise haben sie ihre Arbeit erst um zwei Uhr beendet. Uns bleibt dann nur wenig Zeit, um die von ihnen ausgearbeiteten Dokumente durchzusehen und zu prüfen. Wäre es nicht besser, unsere Abendsitzungen um fünf Uhr zu beginnen?
Truman:
Ich habe keine Einwände.
Gehen wir zur Erörterung der Fragen auf der Tagesordnung über. Zur Erörterung steht die erste Frage.
Churchill:
Ich hatte es so verstanden, dass die sowjetische Delegation eine Abänderung zum Entwurf über die Errichtung des Rates der Außenminister hat.
Truman:
Die Abänderung wurde bekanntgegeben. Ich bin mit dieser Abänderung einverstanden.
Churchill:
(liest den Wortlaut der Abänderung durch) Ich bin ebenfalls mit der Abänderung einverstanden.
Truman:
Man muss festlegen, wann und an welchem Ort der Rat der Außenminister zusammentrifft. Ich bin bereit, die Entscheidung dieser Frage den Außenministern selbst zu überlassen.
Churchill:
Ich bin völlig einverstanden, dass diese Frage erörtert werden soll, aber ich bin der Meinung, dass London dieser Ort sein sollte. Hier muss das ständige Sekretariat seinen Sitz haben, während die Sitzungen im Bedarfsfalle auch anderwärts stattfinden können. Zur Erhärtung meiner Ansicht möchte ich daran erinnern, dass London die Hauptstadt ist, die vor allen anderen im Krieg unter dem feindlichen Feuer stand. Soweit mir bekannt, ist es die größte Stadt der Welt und eine der ältesten Städte der Welt. Außerdem liegt es auf halbem Wege zwischen den USA und Russland.
Stalin:
Das ist das Entscheidende. (Heiterkeit)
Churchill:
Und außerdem ist London jetzt an der Reihe.
Stalin:
Richtig.
Churchill:
Ich möchte nur hinzufügen, dass ich sechsmal über den Ozean geflogen bin, um die Ehre zu haben, mich mit dem Präsidenten der USA zu beraten, und zweimal Moskau besucht habe. London jedoch wird überhaupt nicht als Ort unserer Zusammenkünfte genutzt. In England empfindet man das sehr stark, und ich denke, dass auch Herr Attlee etwas darüber sagen könnte.
Attlee:
Ich stimme den Ausführungen des Premierministers hier völlig zu und möchte hinzufügen, dass unsere Menschen das Recht haben, diese hervorragenden Persönlichkeiten bei uns zu sehen. Sie würden sich sehr darüber freuen. Sie haben sehr viel durchgemacht. Außerdem meine ich, dass auch die geographische Lage Londons eine wichtige Rolle spielt. Ich unterstütze den Wunsch des Premierministers.
Truman:
Ich stimme dem Vorschlag des Premierministers ebenfalls zu und bin der Meinung, dass die geographische Lage eine große Rolle spielt.
Stalin:
Gut, ich habe keine Einwände.
Truman:
Ich möchte mir das Recht vorbehalten, die Regierungschefs zu einem Besuch in den USA einzuladen.
Churchill:
Gestatten Sie mir, dem Präsidenten und dem Generalissimus meinen Dank für die liebenswürdige Annahme unserer Einladung auszusprechen.
Truman:
Ich denke, dass sich unseren drei Außenministern zu gegebener Zeit die Außenminister Chinas und Frankreichs zugesellen werden. Ich denke auch, dass man die Außenminister beauftragen kann, die Frage des Einberufungstermins für den Rat zu lösen.
(Stalin und Churchill stimmen den Vorschlägen Trumans zu.)
Truman:
Die zweite Frage – über die Politik gegenüber Italien. Unsere Vorschläge für die Politik gegenüber Italien wurden auf der ersten Sitzung überreicht. Mein Vorschlag läuft im wesentlichen auf folgendes hinaus:
Meines Erachtens wird die Lage Italiens wesentlich gebessert, wenn wir seine Verdienste als Teilnehmer am Krieg gegen Deutschland anerkennen. Ich schlage vor, dass die Kapitulationsbedingungen durch folgende Verpflichtungen der italienischen Regierung ersetzt werden: 1) Die italienische Regierung enthält sich bis zum Friedensvertrag jeglicher feindlicher Handlungen gegen eine der Vereinten Nationen; 2) die italienische Regierung wird keinerlei Land-, See- und Luftstreitkräfte oder Ausrüstungen unterhalten mit Ausnahme dessen, wozu sie von den Alliierten ermächtigt wurde, und wird alle Weisungen im Hinblick auf derartige Kräfte und Ausrüstungen befolgen.
Für die Dauer der Gültigkeit dieses Abkommens soll die Kontrolle über Italien nur soweit aufrechterhalten bleiben, als dies notwendig ist: a) zur Sicherstellung der alliierten militärischen Bedürfnisse, solange die alliierten Streitkräfte in Italien bleiben oder von dort aus operieren, und b) zur Sicherstellung einer gerechten Lösung territorialer Streitfälle.
Stalin:
Es wäre gut, wenn die Minister die Frage der Politik gegenüber Italien erörtern würden. Ich habe keine prinzipiellen Einwände, aber vielleicht werden sich einige Abänderungen redaktionellen Charakters ergeben. Es wäre gut, dieses Papier den drei Ministern zur abschließenden Durchsicht zu übergeben und sie gleichzeitig zu bitten, neben der Frage Italien die Frage Rumänien, Bulgarien und Finnland zu erörtern.
Für uns gibt es keinen Grund, die Frage Italien aus den Fragen bezüglich der anderen Länder auszugliedern. Italien hat natürlich als erstes Land kapituliert und dann im Krieg gegen Deutschland Beistand geleistet. Es waren zwar keine starken Kräfte, insgesamt drei Divisionen, aber es war immerhin eine Unterstützung. Es beabsichtigt, sich dem Krieg gegen Japan anzuschließen. Das ist ebenfalls ein Plus. Aber das gleiche Plus haben auch andere Länder, wie Rumänien, Bulgarien und Ungarn, aufzuweisen. Sie, diese Länder, haben unverzüglich nach der Kapitulation ihre Truppen gegen Deutschland eingesetzt. Bulgarien hatte 8 bis 10 Divisionen gegen Deutschland eingesetzt, Rumänien etwa 9 Divisionen. Man sollte auch diesen Ländern Erleichterungen gewähren.
Was Finnland betrifft, so hat es keine nennenswerte Hilfe im Krieg geleistet, aber es verhält sich gut und erfüllt gewissenhaft die übernommenen Verpflichtungen. Man könnte auch seine Lage erleichtern.
Deshalb wäre es gut, gleichzeitig mit den Erleichterungen für Italien auch diesen Ländern Erleichterungen zu gewähren und alle diese Fragen gemeinsam zu behandeln. Wenn die Kollegen mit meinem Vorschlag einverstanden sind, so könnten die drei Minister beauftragt werden, diese Frage als eine einzige Frage zu behandeln.
Truman:
Italien war das erste Land, das kapituliert hat, und seine Kapitulationsbedingungen waren etwas härter als die Kapitulationsbedingungen der anderen Länder. Aber ich bin damit einverstanden, dass die Lage der anderen Vasallenstaaten überprüft wird. Ich stimme in dieser Frage völlig mit Generalissimus Stalin überein.
Churchill:
In der Italienfrage ist unsere Position nicht ganz identisch mit der Position meiner beiden Kollegen. Uns hat Italien im Juni 1940 überfallen. Wir hatten schwere Verluste im Mittelmeer sowie während der Verteidigung Ägyptens, die wir zu einer Zeit organisieren mussten, da uns selbst die Invasion drohte. Wir haben viele Kriegsschiffe und Schiffe der Handelsflotte im Mittelmeer verloren. Wir hatten schwere Verluste zu Lande, an der Küste Nordafrikas. Und die Zahl dieser Opfer hat sich erhöht, als Deutschland seine Truppen nach Afrika schickte. Ohne jede Unterstützung von irgendeiner Seite mussten wir den Feldzug in Abessinien durchführen, der damit endete, dass der Kaiser von Abessinien seinen Thron wiedererhielt. Sonderstaffeln der italienischen Luftstreitkräfte wurden zur Bombardierung Londons eingesetzt.
Man muss auch daran erinnern, dass Italien ohne jede Begründung Griechenland überfiel und kurz vor Kriegsausbruch ebenfalls ohne jede Begründung Albanien überfiel. Das alles erfolgte, als wir völlig allein auf uns gestellt waren.
Ich sage das alles deshalb, weil ich meine, dass man die Verluste nicht vergessen darf, die uns Italien zugefügt hat. Wir können das italienische Volk nicht freisprechen, ebensowenig, wie wir das deutsche Volk freisprechen, weil es unter das Joch Hitlers geraten war. Dessen ungeachtet waren wir bemüht, den Gedanken einer Wiederherstellung Italiens als einer wichtigen Macht in Europa und im Mittelmeer zu unterstützen. Als ich vor einem Jahr dort war, unterbreitete ich Präsident Roosevelt eine Reihe von Vorschlägen, und die meisten Vorschläge wurden in die dann veröffentlichte Erklärung aufgenommen.
Ich möchte nicht, dass man annimmt, ich hätte Rachegefühle gegenüber Italien. Ich habe mich gegen Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitungen gewandt, die behaupteten, wir wären gegen Italien eingestellt. Im Namen der Regierung Ihrer Majestät habe ich erklärt, dass wir mit reinem Herzen und mit dem Wunsch an diese Frage herangehen, die besten Ergebnisse zu erzielen. Ich möchte, dass alle diese Überlegungen Beachtung finden.
Ich möchte mich dem Präsidenten und dem Generalissimus im Prinzip anschließen, dass wir eine Geste gegenüber dem italienischen Volk tun, das im Kriege viel gelitten und sich für die Vertreibung der Deutschen von seinem Territorium eingesetzt hat. Deshalb hat die britische Delegation im Prinzip keine Einwände dagegen, dass mit Italien Frieden geschlossen wird. Diese Arbeit wird zweifellos einige Monate erfordern, um die Friedensbedingungen vorzubereiten.
Ich stelle desgleichen fest, dass die gegenwärtige italienische Regierung keine demokratische Grundlage besitzt, die sich aus freien und unabhängigen Wahlen herleitet. Sie besteht einfach aus Politikern, die sich als Führer verschiedener politischer Parteien bezeichnen. Ich fasse es so auf, dass die italienische Regierung beabsichtigt, noch vor dem Winter Wahlen durchzuführen. Deshalb halte ich es, obgleich ich damit einverstanden bin, dass der Rat der Außenminister die Arbeit zur Vorbereitung des Friedensvertrages aufnimmt, nicht für wünschenswert, dass er diese Arbeit beendet, bevor die italienische Regierung auf demokratischen Grundsätzen beruht.
Indessen muss ich sagen, dass ich mit dem Memorandum der USA über die Interimsbedingungen, denen zufolge die jetzt bestehenden Waffenstillstandsbedingungen durch einige Verpflichtungen der gegenwärtigen italienischen Regierung ersetzt werden sollen, nicht ganz einverstanden bin. Ich meine, dass keine italienische Regierung garantierte Verpflichtungen abgeben kann, wenn sie sich nicht auf das Volk stützt. Wenn die auf die Kapitulation gegründeten Rechte aufgehoben und durch Verpflichtungen der italienischen Regierung ersetzt werden – und bis zum Abschluss des Friedensvertrages vergeht noch eine beträchtliche Zeit -, so verlieren wir alle unsere Möglichkeiten mit Ausnahme der Gewaltanwendung, um Italien zur Erfüllung unserer Bedingungen zu veranlassen. Doch niemand von uns wünscht, zur Erreichung ähnlicher Ziele Gewalt anzuwenden.
Nimmt man Punkt 1 des amerikanischen Memorandums, so ist darin nichts über die Zukunft der italienischen Flotte, der italienischen Kolonien, über die Reparationen und andere sehr wichtige Fragen gesagt. So verlieren wir Rechte, die wir entsprechend dem Dokument über die Kapitulation besitzen.
Schließlich muss ich sagen, dass die Kapitulationsbedingungen nicht nur von Großbritannien, sondern auch von anderen Staaten des britischen Empires unterzeichnet wurden, sie wurden von den Dominions Australien, Neuseeland und anderen unterzeichnet, die während des Krieges Verluste erlitten haben. Man wird die Frage mit ihnen erörtern müssen. Außerdem war Griechenland Opfer des italienischen Überfalls. Ich möchte heute nicht weitergehen, als dass ich mich im Prinzip damit einverstanden erkläre, dass der Rat der Außenminister die Arbeit an der Vorbereitung der Friedensbedingungen aufnimmt.
Was die anderen Länder betrifft, von denen hier die Rede war, so muss ich sagen, dass Bulgarien nicht das Recht hat, irgend etwas von Großbritannien zu verlangen. Bulgarien hat uns einen schweren Schlag versetzt und alles getan, um uns auf dem Balkan zu schaden. Es ist natürlich nicht meine Sache, über die Undankbarkeit Bulgariens gegenüber Russland zu sprechen. Die russische Armee hat Bulgarien seinerzeit vom türkischen Joch befreit, nach vielen Jahren grausamer Gewaltherrschaft. In diesem Krieg hat Bulgarien fast nichts gelitten, es war Deutschlands Handlanger, und auf dessen Zeichen hin überfiel es Griechenland und Jugoslawien und fügte ihnen schweren Schaden zu. Aber es wird nichts über die Entwaffnung Bulgariens gesagt. Mir scheint, dass es genauso stark ist wie vorher, denn es besitzt 15 Divisionen. Es ist nichts über die Reparationen von Bulgarien gesagt. Ich muss gestehen, dass ich keine große Neigung zu einem baldigen Friedensschluss mit Bulgarien verspüre – jedenfalls weniger als zum Abschluss eines solchen Friedens mit Italien.
Ich bin meinen Kollegen dankbar, dass sie meine Überlegungen geduldig angehört haben. Abschließend muss ich sagen, dass ich in einigen Punkten mit der Meinung des Präsidenten und der Meinung des Generalissimus nicht übereinstimme.
Stalin:
Mir scheint, dass die Italienfrage eine Frage der großen Politik ist. Die Aufgabe der „großen Drei“ besteht darin, von Deutschland als der Hauptkraft der Aggression dessen Vasallen loszureißen. Dazu gibt es zwei Methoden. Erstens die Methode der Gewalt. Diese Methode haben wir mit Erfolg angewandt, und die Truppen der Alliierten stehen in Deutschland sowie auf dem Territorium anderer Länder. Aber diese Methode allein genügt nicht, um die Komplicen von Deutschland loszureißen. Wenn wir uns auch in Zukunft nur auf die Methode der Gewaltanwendung gegen sie beschränken, dann besteht die Gefahr, dass wir den Boden für eine künftige Aggression Deutschlands vorbereiten. Daher ist es zweckmäßig, die Methode der Gewalt durch die Methode der Erleichterung der Lage dieser Länder zu ergänzen. Es ist meines Erachtens das einzige Mittel – wenn man die Frage perspektivisch anpackt -, dass man diese Länder um sich zusammenschließt und sie endgültig von Deutschland losreißt.
Das sind Erwägungen der großen Politik. Alle übrigen Erwägungen wie Rache, wie Kränkung scheiden aus.
Von diesem Standpunkt bewerte ich die Vorlage des Präsidenten der USA. Ich meine, dass diese Vorlage des Präsidenten einer solchen Politik, einer Politik des endgültigen Losreißens der Vasallen von Deutschland durch Erleichterung ihrer Lage, entspricht. Deshalb habe ich keine prinzipiellen Einwände gegen die Leitsätze, die in der Vorlage des Präsidenten aufgestellt werden. Es wird vielleicht einiger redaktioneller Verbesserungen bedürfen.
Jetzt die andere Seite der Frage. Ich meine die Ausführungen von Herrn Churchill. Natürlich hat Italien sich auch an Russland schwer versündigt. Mit den italienischen Truppen sind wir nicht nur in der Ukraine, sondern auch am Don und an der Wolga zusammengestoßen, so weit sind sie in die Tiefe unseres Landes vorgedrungen. Aber ich meine, dass es falsch wäre, sich von Erinnerungen an Kränkungen oder Gefühlen der Rache leiten zu lassen und darauf seine Politik aufzubauen. Gefühle der Rache oder des Hasses oder das Gefühl, für erlittene Kränkungen entschädigt werden zu müssen, sind sehr schlechte Ratgeber in der Politik. In der Politik muss man sich meines Erachtens von der Einschätzung der Kräfte leiten lassen.
Die Frage muss so gestellt werden: Wollen wir Italien auf unserer Seite haben, um es von den Kräften zu isolieren, die irgendwann in Deutschland gegen uns aufstehen könnten? Ich meine, dass wir das wollen, und davon müssen wir ausgehen. Wir müssen die ehemaligen Komplicen von Deutschland losreißen.
Viele Schwierigkeiten und Entbehrungen haben uns solche Länder wie Rumänien verursacht, das nicht wenige Divisionen gegen die sowjetischen Truppen eingesetzt hat, und wie Ungarn, das in der letzten Kriegsperiode 20 Divisionen gegen die Sowjettruppen eingesetzt hatte. Einen schweren Schaden hat uns Finnland zugefügt. Ohne Hilfe Finnlands hätte Deutschland die Blockade Leningrads natürlich nicht durchführen können. Finnland hat 24 Divisionen gegen uns eingesetzt.
Weniger Schwierigkeiten und Leid hat uns Bulgarien bereitet. Es half Deutschland beim Überfall und bei der Durchführung der Angriffsoperationen gegen Russland, aber es ist nicht selbst in den Krieg gegen uns eingetreten und hat keine Truppen gegen die Sowjettruppen eingesetzt. Im Waffenstillstandsabkommen ist vorgesehen, dass Bulgarien seine Truppen für den Krieg gegen Deutschland zur Verfügung stellen muss. Dieses Abkommen haben die Vertreter der drei Mächte – USA, Großbritannien und UdSSR – unterzeichnet. Im Abkommen heißt es, dass die bulgarische Armee nach der Beendigung des Krieges mit Deutschland zu demobilisieren und auf den Friedensstand zu reduzieren ist. Das müssen wir tun, und das wird geschehen. Bulgarien kann sich der Erfüllung des Abkommens nicht widersetzen und wird es durchführen müssen.
Die Vasallen haben sich an den Alliierten und im Besonderen an der Sowjetunion versündigt.
Wenn wir damit beginnen, uns an ihnen zu rächen, weil sie uns großen Schaden zugefügt haben, so ist das eine mögliche Politik. Ich bin kein Anhänger dieser Politik. Nachdem diese Länder besiegt sind und Kontrollkommissionen der drei Mächte sich dort befinden, damit die Waffenstillstandsbedingungen erfüllt werden, ist es an der Zeit, zu einer anderen Politik überzugehen, zur Politik der Erleichterung ihrer Lage. Und ihre Lage erleichtern heißt, diese Länder von Deutschland loszureißen.
Nun ein konkreter Vorschlag. Soweit ich verstanden habe, schlug Präsident Truman nicht die sofortige Ausarbeitung eines Friedensvertrages mit Italien vor. Präsident Truman schlägt lediglich vor, den Weg zum Abschluss eines solchen Vertrages in nächster Zeit zu erleichtern, und bis dahin schlägt er vor, eine gewisse Interimssituation zwischen den von Italien angenommenen Kapitulationsbedingungen und dem künftigen Friedensvertrag herbeizuführen.
Ich denke, dass es kaum Einwände gegen einen solchen Vorschlag geben kann. Er ist absolut praktikabel und zeitgemäß. Was die anderen Vasallen betrifft, so meine ich, dass es möglich wäre, mit der Herstellung der diplomatischen Beziehungen zu ihnen zu beginnen. Man könnte einwenden, dass es dort keine frei gewählten Regierungen gibt. Aber eine solche Regierung besteht auch in Italien nicht. Doch mit Italien wurden die diplomatischen Beziehungen hergestellt. Es bestehen keine solchen Regierungen in Frankreich und Belgien. Doch es gab keinerlei Bedenken in der Frage der diplomatischen Beziehungen mit diesen Ländern.
Churchill:
Das waren Verbündete.
Stalin:
Ich verstehe. Aber Demokratie ist überall Demokratie, ob bei Verbündeten oder bei Vasallen.
Truman:
Soweit ich verstehe, ist die Lage so. Ich habe einen konkreten Vorschlag bezüglich Italien unterbreitet. Die Waffenstillstandsbedingungen sind von allen unseren drei Staaten unterzeichnet worden.
Eden:
Wir haben nicht im Namen der Dominions unterzeichnet.
Truman:
Bei den anderen Vasallen haben die Dominions ebenfalls nicht unterzeichnet. Aber kehren wir zur erörterten Frage zurück. Auf die Tagesordnung wurde die Frage über die Politik gegenüber Italien gesetzt. Die sowjetische Seite hat die Frage Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Finnland aufgeworfen. Soweit ich verstanden habe, hat der Generalissimus vorgeschlagen, die Frage Italien und die der anderen Vasallenländer unseren Außenministern zur Behandlung zu übergeben.
Es handelt sich um die Ausarbeitung von Interimsbedingungen bis zum Abschluss des Friedensvertrages. Ich bin mit dem Generalissimus völlig einverstanden, dass diese Vorschläge nicht auf Gefühlen der Rache, des Hasses und der Kränkung beruhen dürfen, sondern auf dem Gefühl der Gerechtigkeit, um Möglichkeiten für die friedliche Existenz der gesamten Menschheit zu schaffen, und ich denke, dass wir das hier alles in allem erreichen können.
Ich muss hier einige Worte über die Reparationen von Italien sagen. Die Lage in Italien ist gegenwärtig derart, dass wir vor der Frage stehen, Italien eine Beihilfe in Höhe von 700 Millionen bis zu 1 Milliarde Dollar zu gewähren. Aber ich muss erklären, dass wir anderen Ländern nicht die gleiche Hilfe gewähren können, ohne etwas dafür zu erhalten. Ich meine, dass wir uns hier darum kümmern müssen, Bedingungen vorzubereiten, unter denen die Länder aus eigenen Mitteln leben können.
Ich meine, dass diese beiden Fragen den Außenministern zur Behandlung übergeben werden können, und sie werden die Grundlagen eines Abkommens zu finden verstehen, damit wir zu einer einhelligen Meinung gegenüber diesen Ländern kommen.
Churchill:
Ich denke, wir alle sind einverstanden, dass die Frage Italien an die Außenminister übergeben werden soll. Ich habe lediglich Einwände gegen die Aufhebung wesentlicher Kapitulationsbedingungen, was uns nur wesentlicher Rechte berauben würde. Ich bin mit dem Präsidenten einverstanden, dass es notwendig ist, die Bedingungen zu erleichtern und gegenüber Italien eine entsprechende Geste zu machen. Ich habe keine Einwände, wenn hier die Erklärung abgegeben wird, dass für Italien ein Friedensvertrag vorbereitet wird.
Ich bin völlig einverstanden mit all dem, was der Generalissimus und der Präsident dazu gesagt haben, dass die Zukunft nicht im Geiste der Rache für erlittene Kränkungen entschieden werden darf. Ich habe mit großer Genugtuung diese Erklärung von den Führern der großen Völker gehört, die sie hier vertreten. Ich hege große Sympathie gegenüber Italien, und in diesem Geiste wird die Regierung Großbritanniens handeln. Ich habe in Bezug auf England des Wort „Reparationen“ gebraucht, aber wir beanspruchen für uns natürlich keine Reparationen; wir hatten Griechenland im Auge.
Truman:
Ich würde vorschlagen, dass die Frage Italien und die der anderen Länder den drei Außenministern überwiesen wird.
Churchill:
Ich bin einverstanden, dass die vorbereitenden Arbeiten zur Ausarbeitung des Friedensvertrages mit Italien dem Rat der Außenminister übergeben werden.
Stalin:
Welchem Rat?
Churchill:
Dem künftigen Rat der Außenminister. Ich hatte nur einen Vorbehalt bezüglich der Interimsmaßnahmen gemacht. Das kann auf den täglichen Sitzungen unserer Außenminister erörtert werden.
Stalin:
Ich würde vorschlagen, dass die Außenminister auch die Frage der anderen Länder, die Komplicen Deutschlands waren, erörtern. Ich bitte Herrn Churchill, nichts dagegen einzuwenden. (Allgemeine Heiterkeit) Ich bitte, dass die drei Außenminister neben der Italienfrage auch die Frage der anderen Länder erörtern.
Churchill:
Ich hatte nie Einwände. (Heiterkeit.)
Truman:
Ich bin ebenfalls einverstanden.
Gehen wir zu nächsten Frage über. Die nächste Frage ist der Bericht des Premierministers über die Lage in Österreich und insbesondere in Wien.
Churchill:
Ich bedauere es sehr, dass ich im Verlauf der heutigen Diskussion mehrere Male nicht die Meinung der sowjetischen Delegation teilen konnte. Aber ich bin der Ansicht, dass die Lage in Österreich und in Wien unbefriedigend ist. Es wurde die Einrichtung von Sektoren und Zonen in Österreich vereinbart. Diese Sache zieht sich schon lange hin.
Vor mehr als zwei Monaten bat ich darum, britischen Offizieren die Einreise nach Wien zu ermöglichen, um die Gebäude zu besichtigen, die wir brauchen werden, Flugplätze, Truppenunterkünfte. Alles das war vorher im Prinzip vereinbart. Unsere Offiziere waren in Wien, aber die Ergebnisse ihres Besuches konnten nicht zufriedenstellen, unsere Missionen mussten die Stadt verlassen und unverrichteter Dinge zurückkehren. Und jetzt wird uns nicht nur der Zugang nach Wien verwehrt, sondern auch der Einzug unserer Truppen in die Zone, auf die wir uns geeinigt haben.
Seit der Befreiung Österreichs durch die sowjetischen Truppen sind bereits drei bis vier Monate vergangen. Ich verstehe nicht, warum bei einer so einfachen Sache solche Schwierigkeiten bestehen, und dies, nachdem über diese Angelegenheit ein Abkommen geschlossen wurde. Mir gehen unbefriedigende Berichte von Feldmarschall Alexander zu. Ich meine, dass wir in Anbetracht des unterzeichneten Abkommens eine solche Genehmigung erteilen sollten.
Gestern bat man mich zu klären, ob eine russische Delegation die in englischer Hand befindlichen Schiffe besichtigen könnte. Auf diese Frage habe ich geantwortet: Aber auf der Basis der Gegenseitigkeit. Wenn deutsche Schiffe, die in England liegen, von russischen Vertretern besichtigt werden können, so muss, wie mir scheint, der Zutritt in feindliche Städte, die unter russischer Besatzung stehen, gewährt werden. Wir haben unsere Truppen aus der russischen Besatzungszone im Norden Deutschlands abgezogen, die amerikanischen Truppen haben diese Zone ebenfalls geräumt; wir aber haben nicht das Recht, mit unseren Truppen in unsere Zone in Österreich einzuziehen.
Stalin:
Es gibt ein Abkommen über die Zonen in Österreich, aber es gibt kein Abkommen über die Zonen in Wien. Verständlicherweise erforderte es einige Zeit, um zu einem Abkommen zu kommen. Dieses Abkommen ist jetzt erzielt worden, das war gestern. Man musste sich über die Zuteilung der Flugplätze einigen. Das erfordert ebenfalls Zeit. Auch darüber wurde ein Abkommen erzielt. Die Antwort der Franzosen ist erst gestern eingetroffen. Jetzt wurde der Tag festgelegt, an dem Ihre Truppen in Wien einrücken und unsere Truppen abrücken sollen. Damit kann man heute oder morgen beginnen.
Herr Churchill ist sehr aufgebracht, aber mit der Angelegenheit hat es ein anderes Bewenden. Man kann nicht sagen: Man lässt uns nicht in unsere Zone. (Heiterkeit) So kann man nicht sagen. Uns hat man einen Monat lang nicht in unsere Zone in Deutschland gelassen. Wir haben uns nicht beschwert, wir wussten, wie kompliziert es ist, die Truppen abzuziehen und alles für den Einmarsch der sowjetischen Truppen vorzubereiten. Die Sowjetregierung hat nicht die Absicht, das bestehende Abkommen zu verletzen. Wenn die Frage der Lage in Österreich und speziell in Wien nur darauf hinausläuft, dann ist sie bereits gelöst. Im Raum Berlin wurde bedeutend vernünftiger gehandelt, und dort wurde die Frage schneller erledigt.
Feldmarschall Alexander handelt weniger umsichtig, und das war ebenfalls einer der Faktoren, der die Angelegenheit verzögerte. Er verhält sich so, als würden ihm die russischen Truppen unterstehen. Das hat die Erledigung der Angelegenheit nur aufgehalten. Die englische und die amerikanische militärische Führung in der Zone in Deutschland haben sich nicht so verhalten. Gegenwärtig steht dem nichts mehr im Wege, dass jede Armee in ihre Zone einrückt, sei es in Wien oder in der Steiermark, und zwar deshalb, weil nunmehr ein Abkommen erzielt wurde.
Churchill:
Ich bin sehr froh, dass die Angelegenheit schließlich beigelegt ist und uns der Zugang in unsere Zone gestattet wird. Was Feldmarschall Alexander betrifft, so gibt es meines Erachtens keinen Grund zur Klage.
Stalin:
Über Eisenhower gab es keine Klagen, über Montgomery gab es keine Klagen, aber über Alexander wird geklagt.
Churchill:
Wir bitten sehr darum, uns diese Klagen vorzulegen.
Stalin:
Ich möchte nicht als Zeuge im Verfahren gegen Alexander gehört werden, ich habe kein Anklageplädoyer gehalten. (Heiterkeit)
Churchill:
Ich fühle mich verpflichtet zu sagen, dass die Regierung Großbritanniens, da keine spezifischen Klagen gegen Alexander vorliegen, ihm weiterhin ihr volles Vertrauen schenkt. Wir werden alle von ihm unternommenen Schritte unterstützen.
Stalin:
Ich persönlich habe keine Klagen, ich habe nur vorgetragen, was mir die Oberbefehlshaber mitgeteilt haben, und dies als eine der Ursachen für die Verzögerung bei der Lösung der Frage angeführt.
Churchill:
An dieser Sache sind wir nicht allein interessiert. Auch die amerikanischen Kommandeure sind daran interessiert.
Truman:
Ich denke, dass in dieser Frage völlige Übereinstimmung erzielt wurde.
Die nächste Frage – über die Westgrenze Polens. Meines Erachtens hat die sowjetische Delegation Vorstellungen zu dieser Frage.
Stalin:
Wenn meine Kollegen zur Erörterung dieser Frage nicht vorbereitet sind, so könnten wir vielleicht zur nächsten Frage übergehen und diese Frage morgen erörtern?
Truman:
Es ist besser, sie morgen zu erörtern. Diese Frage wird die erste auf der Tagesordnung der morgigen Sitzung sein.
Die nächste Frage – über die territoriale Treuhandschaft.
Stalin:
Vielleicht erörtern wir diese Frage auch morgen?
Truman:
Ich bin einverstanden. Unsere Tagesordnung ist erschöpft. Morgen findet die Sitzung um fünf Uhr statt.
Quellen und Anmerkungen:
  • Teheran, Jalta, Potsdam. Dokumentensammlung, Moskau 1967, S. 156ff. (Übersetzung: Dr. Eduard Ullmann, Berlin). In: Historische Gedenkstätte des Potsdamer Abkommens, Cecilienhof, Potsdam (Hg.), Das Potsdamer Abkommen. Dokumentensammlung, Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin, 1984, S. 70 – 82.

 

Hier geht es zur fünften Sitzung:   http://wahrheitfuerdeutschland.de/deutsche-geschichte/fuenfte-sitzung-am-21-juli-1945/

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