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König Friedrich Wilhelm II. von Preußen

Friedrich Wilhelm II. (* 25. September 1744 in Berlin; † 16. November 1797 in Potsdam) entstammt dem Adelshaus der Hohenzollern und war ab 1786 König von Preußen und Markgraf von Brandenburg, Erzkämmerer und Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches. Er war ein Lebemann, grundverschieden von seinem Onkel Friedrich II., und setzte das Werk seines viel bekannteren Vorgängers nicht fort. Er wurde im Volk häufig Der dicke Lüderjahn (Taugenichts) genannt.

Jugend

Der Onkel: Friedrich II. Porträtiert von Anton Graff 1781.

Der Vater: August Wilhelm

Friedrich Wilhelm wurde 1744 als ältester Sohn des preußischen Prinzen August Wilhelm von Preußen (1722–1758), des jüngeren Bruders von Friedrich dem Großen, und Prinzessin Luise Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel geboren. Wegen der Kinderlosigkeit Friedrichs wurden zunächst August Wilhelm und nach dessen Tod sein Sohn Friedrich Wilhelm preußische Thronfolger.

Friedrich kümmerte sich persönlich um die Erziehung seines Neffen und Thronfolgers. Als dreijähriges Kind wurde Friedrich Wilhelm ins Berliner Schloss geholt und der Schweizer Gelehrte Nicolas de Beguelin offiziell als Erzieher bestimmt. Friedrich der Große wollte vermeiden, die Fehler seines eigenen tyrannischen Vaters zu wiederholen, der ihn durch körperliche und seelische Züchtigungen nach seinem Bild formen wollte.

Friedrich Wilhelm war 13 Jahre alt, als sein Vater August Wilhelm im Herbst 1757 von Friedrich dem Großen unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde, weil er im Siebenjährigen Krieg mehrfach versagt hatte. Ein gutes Verhältnis hatte nie zwischen den Brüdern bestanden, schon allein aufgrund Friedrichs Überzeugung, dass der Vater, Friedrich Wilhelm I., den jüngeren Bruder vorgezogen hatte. 1757 wechselte die vorherige Abneigung in offene Verachtung. 1758 starb August Wilhelm im Alter von 35 Jahren und der Titel des Thronfolgers Prinz von Preußen fiel an seinen Sohn Friedrich Wilhelm.

In der Endphase des Siebenjährigen Krieges 1762 nahm der junge Prinz an militärischen Einsätzen teil, wie an der Belagerung von Schweidnitz und der Schlacht von Burkersdorf. Er wurde vom König für seine Tapferkeit gelobt und zum Kommandeur eines Potsdamer Infanterieregiments ernannt. Im Laufe der Zeit änderte sich allerdings das Verhältnis zwischen dem Monarchen und seinem Thronfolger. Die Ursachen hierfür lagen vorwiegend in den unterschiedlichen Charakteren der beiden Personen. Friedrichs Lebensstil und Staatsauffassung unterschieden sich grundlegend von denen seines Neffen. Friedrich lebte nach dem Grundsatz, Erster Diener seines Staates sein zu wollen. Für ihn gab es kaum ein Privatleben, und er vermied nach Möglichkeit gesellschaftliche Auftritte. Stattdessen widmete er sich zunehmend der Politik und der Regierungsarbeit und kümmerte sich teilweise um kleinste Details. Er versäumte es allerdings, seinen Thronfolger in politische Vorgänge und Zusammenhänge einzuweihen. Friedrich Wilhelm seinerseits wollte in erster Linie sein Leben genießen – eine Einstellung, die er mit vielen seiner adligen Zeitgenossen im Europa des 18. Jahrhunderts teilte. Der Prinz hatte in seinen jungen Jahren einige Mätressen, was von den konservativen Mitgliedern am preußischen Hof und besonders vom König missbilligt wurde.

Ehen

Friederike Luise von Hessen-Darmstadt

1765 verheiratete Friedrich seinen zwanzigjährigen Thronfolger mit Elisabeth Christine Ulrike von Braunschweig-Wolfenbüttel, der Tochter von Herzog Karl I. zu Braunschweig-Wolfenbüttel und Friedrichs Schwester Charlotte. Diese Ehe verlief ausgesprochen unglücklich. Beide Ehepartner nahmen es mit der ehelichen Treue nicht zu genau. Als Friedrich Wilhelm von dem Seitensprung seiner Ehefrau erfuhr, ließ er sich am 18. April 1769 von ihr scheiden und sie nach Stettin in die Verbannung schicken.

Nach der Scheidung begannen am Potsdamer Hof sofort Aktivitäten zur erneuten Vermählung des Thronfolgers. Immerhin brauchte die Dynastie einen männlichen Stammhalter. Man entschied sich schließlich für die Prinzessin Friederike Luise von Hessen-Darmstadt. Diese erfüllte dann auch den Wunsch ihrer neuen Familie und sorgte für Nachwuchs im preußischen Königshaus. Am 3. August 1770 brachte Friederike Luise einen Stammhalter, den späteren König Friedrich Wilhelm III., zur Welt und in folgenden Jahren noch weitere sechs Kinder.

Wilhelmine Encke

Die zweite Ehe änderte nichts an Friedrich Wilhelms außerehelichen Affären. Bereits 1764 hatte der Prinz die Tochter eines Musikers namens Wilhelmine Encke (1753–1820) kennengelernt. Diese galt ab 1769 mit Billigung des Königs als offizielle Mätresse des Kronprinzen und erhielt eine jährliche Apanage von 30.000 Talern. Der Form halber wurde sie mit einem Kammerdiener namens Johann Friedrich Ritz verheiratet, was aber nichts an dem Verhältnis mit dem Prinzen änderte. Gemeinsam mit dem späteren König hatte sie fünf Kinder, doch nur die Tochter Marianne (1780–1814) lebte längere Zeit. Nach seiner Thronbesteigung übereignete Friedrich Wilhelm ihr zugunsten Mariannes sein Palais Görne.In dem durch Umbauten von Carl Gotthard Langhans verschönerten Palais richtete sich Wilhelmine Encke einen privaten Nebenhof ein, der zu einem der Schauplätze des skandalträchtigen Treibens um Friedrich Wilhelm wurde.1796 wurde Wilhelmine zur Gräfin von Lichtenau erhoben. Ihr politischer Einfluss ist umstritten, war jedoch eher gering. Trotzdem erhielt sie den Beinamen einer preußischen Madame de Pompadour. Nach dem Tod des Königs 1797 fiel sie in Ungnade und wurde inhaftiert, später aber wieder rehabilitiert.

Neben Wilhelmine Encke hatte der spätere König auch noch weitere Mätressen wie z. B. Sophie Juliane Gräfin von Dönhoff und Elisabeth Amalie Gräfin von Voß. Sie alle spielten aber politisch keine bedeutende Rolle.

Spiritismus

Erwähnenswert ist noch eine andere Neigung Friedrich Wilhelms, nämlich der Okkultismus. Der Thronfolger hatte sich dem Orden der Gold- und Rosenkreuzer zugewandt. Die Lehren dieses Ordens waren schwer durchschaubar und basierten auf einem Gemisch aus Bibeltexten, Theosophie, Mystizismus, Alchemie und Kabbalistik. Der Orden fühlte sich von Gott beauftragt, Millionen von Seelen vor dem Bösen zu retten. Zwei der führenden Ordensvertreter waren Johann Christoph von Woellner und Johann Rudolf von Bischoffwerder. Diesen gelang es, den Kronprinzen von ihren Lehren zu überzeugen. Sie inszenierten spiritistische Sitzungen, in deren Verlauf dem König vorgespielt wurde, mit seinen verstorbenen Vorfahren zu reden und sich Rat von ihnen zu holen. Zeitweise beteiligte sich auch Wilhelmine Encke an diesem Spuk, um ihre eigene Position zu festigen. Der Rat seiner Vorfahren fiel selbstverständlich immer im Sinne des Ordens aus, und bald nach der Thronbesteigung ihres Schülers stiegen Woellner und Bischoffswerder in wichtige Staatsämter auf. Zusammenfassend ist allerdings zu bemerken, dass Friedrich Wilhelms spiritistische Neigungen und das Günstlingswesen durchaus zeittypisch waren und nicht überbewertet werden sollten.

Der König

Innenpolitik

Friedrich Wilhelm II. von Preußen

Friedrich der Große starb am 17. August 1786 im Alter von vierundsiebzig Jahren in Sanssouci. Wie geplant folgte ihm sein Neffe auf den Thron und wurde König Friedrich Wilhelm II. von Preußen. Bei seinem Regierungsantritt war er sehr beliebt, und das Volk erhoffte sich eine allgemeine Besserung seiner Lage. Der verstorbene König war am Ende seines Lebens längst nicht mehr populär gewesen, und sein Tod löste in Preußen keine große Trauer aus. Der neue König verlegte die Residenz von Sanssouci nach Berlin zurück und löste damit bei den Berlinern große Begeisterung aus. Er schaffte eine verhasste Steuer ab, verteilte Orden, Auszeichnungen und Rangerhöhungen, unter denen auch die von Woellner und Bischoffwerder waren.

Friedrich Wilhelm ließ die Residenzstadt von bekannten Baumeistern wie Carl Gotthard Langhans (1732–1808) umgestalten und unter anderem das Brandenburger Tor errichten. Der König, selbst ein ausgezeichneter Cellospieler, förderte die Kunst und hier besonders die Musik und das Theater. Bald jedoch zeigten sich die Schattenseiten des neuen Monarchen. Da sein Onkel ihn nicht in die politischen Abläufe eingeführt hatte, konnte er den Staat nicht wie jener von seinem Schreibtisch aus regieren. An die Stelle der Selbstregierung seiner Vorgänger trat eine Kabinettsregierung, in der Woellner großen Einfluss ausübte. Im Gegensatz zur Überzeugung Friedrichs des Großen, jeder sollte nach seiner Fasson selig werden, bekannte sich Friedrich Wilhelm zur Reformation. Er sicherte jedoch den anderen Konfessionen mit dem Religionsedikt vom 9. Juli 1788 freie Religionsausübung zu. Das Edikt löste heftige Debatten in Preußen aus, so dass er diesem das Zensuredikt vom 19. Dezember 1788 folgen ließ, in dem die persönlichen Freiheiten wieder eingeschränkt wurden.

Ein anderer wesentlicher Faktor in der preußischen Innenpolitik war die Beibehaltung der alten Verwaltungsstruktur sowie der Beamten und Offiziere Friedrichs des Großen. Die meisten von ihnen waren bereits seit 1763 im Amt, und Friedrich hatte sie aus Dankbarkeit in seinen Diensten behalten. Sie hatten in ihren jüngeren Tagen viel für Preußen und seinen damaligen König getan. Inzwischen waren viele von ihnen über 65, manche sogar über 70 Jahre alt. Das wirkte sich auf die Staatsverwaltung aus. Noch größer waren die Wirkungen im militärischen Bereich. Die Veteranen des Siebenjährigen Krieges waren nicht in der Lage, den französischen Volksheeren nach 1789 entscheidend gegenüberzutreten, weil sie die neuen militärischen Konzepte der Franzosen ignorierten.

Außenpolitik

Ewald Friedrich Graf von Hertzberg

Kanonade von Valmy

Die Amtszeit des Königs begann mit der preußischen Invasion in den Niederlanden (1786), um den von niederländischen Patrioten gestürzten Erbstatthalter, den Schwager Friedrich Wilhelms, zurück an die Macht zu bringen. Die Führung der Außenpolitik lag aber zunächst bei dem aus den Diensten Friedrich des Großen übernommenen Ministers Ewald Friedrich Graf von Hertzberg (1725–1795), der sich völlig von der Idee der preußisch-österreichischen Rivalität leiten ließ. Nach dem Abschluss des Vertrags von Reichenbach vom 27. Juli 1790, der den Krieg Österreichs gegen die Türkei beendete, kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem König und seinem Minister. Der König ließ Hertzberg durch Bischoffwerder ersetzen.[2]

Nach Ausbruch der Französischen Revolution und der gescheiterten Flucht der Königsfamilie im Juni 1791 trafen sich Kaiser Leopold II., König Friedrich Wilhelm II. von Preußen und Prinz Karl von Artois, der Bruder des französischen Königs Ludwig XVI., im August 1791 in Schloss Pillnitz bei Dresden. In der Pillnitzer Deklaration beteuerten sie ihre Verbundenheit mit König Ludwig XVI. Am 30. Juli 1792 beteiligte sich der preußische König persönlich an einem Feldzug in die Champagne gegen das revolutionäre Frankreich. Bei der Kanonade von Valmy, etwa 10 Kilometer westlich von Sainte-Menehould im Département Marne, kam es am 20. September zu einem Artillerieduell beider Seiten. Das strategisch eher unbedeutende Gefecht erlangte historische Bedeutung, da die Revolutionssoldaten dabei erstmals einem massiven Angriff der gegnerischen Truppen standhielten. Geschwächt durch Krankheit, Hunger und Regen, traten die preußischen Truppen zehn Tage später, ohne einen weiteren Schuss abzugeben, den Rückzug an. Im Frieden von Basel am 5. April 1795 hatte Friedrich Wilhelm II. den Krieg gegen Frankreich beendet und durch eine Demarkationslinie Neutralität und Frieden nicht nur für Preußen, sondern für ganz Norddeutschland gesichert.[1]

Friedrich Wilhelm wandte seine Aufmerksamkeit Polen zu und schloss am 23. Januar 1793 einen Teilungsvertrag mit Russland, in dem er Danzig, Thorn und Südpreußen erwarb, insgesamt 57.000 km² mit rund 1.100.000 Einwohnern. 1794 kam es zum polnischen Nationalaufstand unter Tadeusz Kosciuszko (1746–1817) in Krakau, der von Russland niedergeschlagen wurde. In einem weiteren Teilungsvertrag am 3. Januar 1795 zwischen Russland, Österreich und Preußen bekam Friedrich Wilhelm II. Masowien, Warschau und Neuostpreußen zugesprochen. Seit 1791 gehörten auch Ansbach und Bayreuth zum preußischen Herrschaftsgebiet. Damit hatte sich Preußen in Friedrich Wilhelms Regierungszeit um über ein Drittel vergrößert, während die Bevölkerungszahl von 5,4 auf 8,7 Millionen Untertanen angewachsen war.[1]

Ende der Regierungszeit und Tod

Frisch: Friedrich Wilhelm II. 1797, Deutsches Historisches Museum Berlin

Sarkophag von Friedrich Wilhelm II

Die Königin fühlte sich wegen der zahllosen Affären des Königs verletzt, vor allem wegen der Beziehung zu Wilhelmine Encke. Der Kronprinz, der spätere König Friedrich Wilhelm III., unterstützte sie und war daher weder auf die Mätresse noch auf seinen Vater gut zu sprechen. Wilhelmine war am 28. April 1796 zur Gräfin von Lichtenau erhoben worden und wurde am 17. September offiziell bei Hof eingeführt. Unterdessen wurde dem König vorgeworfen, er habe mit seiner Verschwendungssucht, den protzigen Bauten und der Freigebigkeit gegenüber Mätressen und Günstlingen das unter Friedrich dem Großen angesammelte Staatsvermögen sinnlos verschleudert. Friedrich Wilhelm II. starb 53-jährig am 16. November 1797 an Brustwassersucht. Er wurde in der Hohenzollerngruft bestattet. Die Gräfin von Lichtenau, die den Sterbenden gepflegt hatte, durfte den Toten nicht mehr sehen und wurde unter Hausarrest gestellt. Friedrich Wilhelm III. ließ die ihm verhasste Geliebte des Vaters in die Verbannung nach Glogau bringen und den größten Teil ihres Vermögens beschlagnahmen.

Dieter Brozat berichtet in „Der Berliner Dom und die Hohenzollerngruft“ (1985) zu den sterblichen Überresten Friedrich Wilhelms II., dass sein Sarkophag in der Hohenzollerngruft des Berliner Doms während des Zweiten Weltkrieges schweren Zerstörungen ausgesetzt war. Beim Wiederaufbau des Domes und der Suche nach dem Toten wurden bei „den Nachforschungen in der Domgruft (…) in mühevoller Kleinarbeit Skelett-Teile gefunden, teils im Schutt des Domes, so der Kopf mit Haaren (…). Das Gewebe der Füße war noch voll in der Einbalsamierung vorhanden. Die anderen Skelett-Teile weisen in ihrer Beschaffenheit und in der Färbung deutlich auf eine Einbalsamierung hin. Da in Preußen in der Regel nur die regierenden Fürsten einbalsamiert wurden, ist der Verfasser überzeugt, daß es sich bei den Knochenfunden um die Überreste König Friedrich Wilhelms II. handele. Eine genaue medizinische Untersuchung war bisher nicht möglich.

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