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Totaler Irrsinn“: Putin über Russlands „Absicht“ baltische Staaten zu erobern – „Wir wollen nicht gegen die Nato kämpfen”

In einem Interview mit der Agentur Bloomberg, stellt Russlands Präsident Wladimir Putin klar, dass Moskau nicht die Absicht habe die baltischen Staaten mit Atomwaffen zu erobern. Es sei „totaler Irrsinn“ so etwas anzunehmen. Die Nato zähle 600 Millionen Menschen, Russland dagegen nur 146 Millionen. „Ja, wir sind die größte Atommacht. Doch nehmen Sie tatsächlich an, dass wir die baltischen Länder mit nuklearen Waffen erobern wollen?“, fragt der russische Staatschef den Reporter.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Berichte über die Absicht Russlands, die baltischen Länder mit Einsatz von Atomwaffen zu erobern, als „totalen Irrsinn“ bezeichnet.

„Aus meiner Sicht verstehen alle vernünftigen Personen, die sich ernsthaft mit Politik auseinandersetzen, dass Berichte über die Bedrohung seitens Russlands in Bezug auf, sagen wir mal, die baltischen Staaten, ein totaler Irrsinn sind“, sagt Putin im Interview mit der Agentur Bloomberg.

„Wollen wir etwa gegen die Nato kämpfen? Wie viele Menschen leben in den Nato-Ländern? Etwa 600 Millionen, oder? Russland zählt dagegen 146 Millionen. Ja, wir sind die größte Atommacht. Doch nehmen Sie tatsächlich an, dass wir die baltischen Länder mit nuklearen Waffen erobern wollen?“, so der russische Staatschef weiter.

„Westliche Partner haben viele Fehler gemacht“

Putin betonte auch, dass er im Bezug auf die politischen Beziehungen zum Westen nichts anders machen würde. Aber der Westen hätte viele Dinge anders machen müssen.

„Als die Sowjetunion aufhörte zu existieren, begrüßten wir unsere westlichen Partner mit offenen Armen. Wir legten das Abhörsystem in der US-Botschaft in Moskau offen. Aber nichts dergleichen wurde im Gegenzug getan. Glauben sie, dass die CIA keine Möglichkeiten hat, uns abzuhören? Natürlich hat sie die. Sie hat ihre Bemühungen in dieser Hinsicht sogar intensiviert,” sagt Putin, der seit 2000 Präsident der Russischen Föderation ist zu Bloomberg.

Er kritisierte auch, dass Russland seine strategischen Flüge entlang der US-Grenze gestoppt habe, während die Vereinigten Staaten das nicht getan hätten. „Seit über 10 Jahren gibt es dort keine russischen Flüge mehr. Die Vereinigten Staaten haben aber nicht damit aufgehört und fliegen immer noch. Warum?,” fragt Putin. Und weiter: „Wir erklärten uns bereit, ein neues System zur europäischen Sicherheit unter Beteiligung der Vereinigten Staaten zu schaffen. Aber anstatt mit uns zu kooperieren begann die Nato-Erweiterung. Sie kommen immer näher an unsere Grenzen: einen Schritt, dann noch einen“.

Putin gab noch weitere Beispiele, die veranschaulichen, in welchen Bereichen sich die Nato und die USA gegenüber Russland unkooperativ zeigen.

Nato-Aufrüstung in Osteuropa: Gegen wen?

Dass die Allianz ihre Militärpräsenz im Osten immer weiter ausbaut, kritisiert das russische Staatsoberhaupt scharf.

Zunächst sei das Aufrüsten der Nato in Rumänien und Polen, „mit Hinweis auf die iranische nukleare Bedrohung“ durchgeführt worden. „Aber dann wurde eine Vereinbarung mit dem Iran unterzeichnet, darunter von den Vereinigten Staaten. Die Vereinbarung wurde bereits ratifiziert, also gibt es keine Gefahr mehr. Trotzdem werden immer mehr Raketen in Rumänien und Polen stationiert“, so Putin. Nun stelle sich die Frage, gegen wen dann noch aufgerüstet werde?

„Damals wurde uns gesagt: ‚Es ist nicht gegen Russland‘. Wir antworteten, dass wir wegen ihrer Maßnahmen unsere Abwehrsysteme modernisieren müssen“, fährt Russlands Präsident fort. „Tun Sie, was Sie wollen“, hätte die Nato damals erwidert. „Und das ist es, was wir tun“, so Putin.

Jetzt wo Russland einige Fortschritte gemacht hätte, würde der Westen fragen: „Wie kommt das? Was ist dort los? Warum machen sie das?“ Wahrscheinlich habe niemand geglaubt, dass Russland in der Lage wäre sich militärisch zu sanieren, so Putin. Den in den frühen 2000er Jahren, sei die russische Rüstungsindustrie vor dem völligen Zusammenbruch gestanden. „Offen gesagt und um es milde auszudrücken, hatten unsere Streitkräfte eine niedrige Kampfkraft. Deshalb konnte niemand glauben, dass sich die Kampfkraft unserer Streitkräfte jetzt so erholen würde.“

Vor Beginn der Nato-Erweiterung wären Beobachter aus den Vereinigten Staaten sogar in den russischen Atomwaffen-Produktionsstätten gewesen. „Sie waren wirklich dort. Wir hatten dieses Maß an Vertrauen“, so Putin.  „Und dann folgte diese Ausweitung – erste, zweite, dritte, vierte Schritte. Wir mussten reagieren. Aber sie sagen uns immer wieder: ‚Es ist nichts gegen dich, es hat nichts mit dir zu tun, es ist nicht gegen dich gerichtet’“.

„Nichts kann gegen den Willen der Menschen getan werden“

Russland habe viel an politischer Erfahrung gesammelt, fährt Putin fort. Und deshalb sei die russische Regierung davon überzeugt, dass nichts gegen den Willen der Menschen gemacht werden könnte.

„Nichts kann gegen den Willen der Menschen getan werden! Allerdings scheint es, dass einige unserer Partner dies nicht verstehen wollen,“ so Putin und schwenkt dabei den Blick auf die Krim.

Die Menschen auf der Schwarzmeer-Insel hätten sich mehrheitlich für den Anschluss zu Russland entschieden. 70 Prozent der Krim-Bewohner seien ethnische Russen und der Rest spreche Russisch als ihre Muttersprache. „Sie wollten Russland beitreten“, so Putin. Der Westen würde es aber bevorzugen, dies zu ignorieren. „Im Kosovo, konnte der Wille der Menschen akzeptiert werden, aber hier geht es anscheinend nicht“, so der Präsident. All dies seien die „üblichen politischen Spiele“.

„Russland“, so Putin weiter, „verfolgt eine absolut friedliche Außenpolitik“. Natürlich wolle Russland seinen Einfluss in der Welt erhöhen, „aber wir wollen das absolut friedlich erreichen“. Was die russische Regierung im Auge habe, sei den wirtschaftlichen und humanitären Einfluss zu erhöhen und dies impliziere die Zusammenarbeit mit den Nachbarländern. „Dies ist es was unsere Außenpolitik, sowie unsere Außenwirtschaftspolitik anstrebt,“ sagt Putin. Und daran werde sich auch nichts ändern. (so)

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